Kreis.BLICK!

Ein Mensch bricht zusammen. Vielleicht im Supermarkt, im Büro oder zu Hause. Jemand ruft den Notruf. Beim Herz-Kreislauf-Stillstand entscheiden 3 bis 5 Minuten über die Gesundheit des Gehirns. Doch der Rettungsdienst braucht im Schnitt länger. Für viele kommt die Hilfe sogar ganz zu spät: 9 von 10 Betroffenen überleben diesen Notfall in Deutschland nicht. Doch es gibt eine Chance. Und sie beginnt direkt vor Ort – vielleicht mit Ihnen? Mit der Initiative „Region der Lebensretter“ wird schnelle Hilfe digital organisiert. Eine App alarmiert Ersthelferinnen und Ersthelfer in unmittelbarer Nähe. Oft beginnen diese schon nach wenigen Minuten mit der Wiederbelebung und geben Betroffenen eine echte Überlebenschance. Der Landkreis Dachau ist jetzt Teil dieses Netzwerks. Dafür suchen wir medizinisch geschulte, volljährige Menschen: aus Pflege, Rettungsdienst, Feuerwehr, Polizei, THW, Bundeswehr oder anderen Bereichen. Die Registrierung ist einfach: 1. App „Region der Lebensretter 3.0“ aus dem App- oder Play-Store herunterladen. 2. Registrierungsformular in der App ausfüllen. 3. Qualifikationsnachweis hochladen – fertig! Es gibt keinen Bereitschaftsdienst, keine Verpflichtung. Aber wenn es darauf ankommt, können Sie den Unterschied machen. Denn im entscheidenden Moment gilt: Niemand ist näher als Sie. Weitere Infos unter www.regionderlebensretter.de Region der Lebensretter Leisten Sie Erste Hilfe vor Ort – noch vor dem Rettungsdienst Eine Nummer, die Leben rettet: 112. Wenn Menschen in Not sind, zählt jede Sekunde. Dass die richtige Hilfe schnell und zuverlässig ankommt, dafür sorgt für die Menschen im Landkreis Dachau die Integrierte Leitstelle (ILS) Fürstenfeldbruck. Die Anforderungen sind ebenso wie die Bevölkerung in der Region in den vergangenen Jahren enorm gestiegen. Deshalb brauchte die zentrale Schaltstelle für Notfälle ein neues, zukunftssicheres Zuhause. Die bisherige Leitstelle in der Münchner Straße in Fürstenfeldbruck ging 2007 in Betrieb. Damals war diese auf dem neuesten Stand. Doch seitdem stiegen die Notrufe um über 40.000 im Jahr. Auch die Technik und Vorgaben z. B. im organisatorischen und arbeitsmedizinischen Bereich haben sich stark weiterentwickelt. Im bestehenden Gebäude konnten diese Ansprüche zuletzt weder räumlich noch technisch umgesetzt werden. Die Entscheidung für einen Neubau war deshalb keine Frage des „Ob“, sondern des „Wann“ und „Wo“. Bereits 2018 fiel der Grundsatzbeschluss: Die Region braucht eine moderne Leitstelle, die nun auch für die Zukunft gerüstet ist. Nach einer intensiven Standortsuche entstand im Gewerbegebiet Gernlinden nun genau das: eine hochmoderne Leitstelle, die speziell auf die besonderen Anforderungen zugeschnitten ist. Die neue ILS wurde am 9. Mai feierlich eingeweiht. Der Bayerische Innenminister Joachim Herrmann war sichtlich beeindruckt vom Ergebnis und lobte die gute Zusammenarbeit des Bauträgers, des Zweckverbands für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung (ZRF) Fürstenfeldbruck mit dem Architekturbüro Planungxgruppe und v. a. mit den 4 Betreiber-Landkreisen Dachau, Fürstenfeldbruck, Starnberg und Landsberg am Lech. Nach umfangreichen Testungen wird die neue ILS im Sommer ihren Betrieb aufnehmen. Wir geben Ihnen hier einen Einblick in den Neubau, der ansonsten für die Öffentlichkeit verschlossen bleibt: Beste Rahmenbedingungen für die Helfer Herzstück ist der 350 m2 große Leitstellenraum im 1. Obergeschoss. An 12 Einsatzleitplätzen (ELP – bisher 8) werden die sogenannten Disponenten die Notrufe entgegennehmen und die Einsätze koordinieren. Das heißt, sie schicken die richtige Hilfe für den jeweiligen Notfall und helfen auch am Telefon, bis Hilfe eintrifft. Für die Disponenten verbessern sich die Arbeitsbedingungen im Neubau deutlich: Elektrisch höhenverstellbare Schreibtische mit 5 großen Bildschirmen für alle wichtigen Infos, blendfreies Tageslicht v. a. aus Sheddachfenstern in 8 Metern Höhe, gedämpfte Akustik, zugluftfreie Klimatisierung und viel Platz zwischen den ELPs sorgen dafür, dass sich die Disponenten ganz auf ihre wichtige Aufgabe konzentrieren können: Menschen in Not zu helfen. Da in diesem besonderen, baulich abgeschirmten Sicherheitsbereich auch Sozialbereiche sowie eine kleine Terrasse untergebracht sind, müssen die Mitarbeitenden ihn während ihrer Schicht nicht verlassen. Für außergewöhnliche Lagen, etwa bei Unwettern oder größeren Schadensereignissen, können in einem Nebenraum 8 Ausnahme-Abfrageplätze (AAP) flexibel zugeschaltet werden. Auch an die Zukunft wurde von den Wachstumslandkreisen als Träger der ILS gedacht: Zusätzliche ELPs und AAPs können ohne großen Umbau eingerichtet werden und im Innenhof ist Platz für eine Erweiterung. Die ILS wächst also mit den Anforderungen mit. Die Räume für Leitungen sowie die Teams IT und Verwaltung sind im 1. und 2. Obergeschoss untergebracht, sämtliche Technik im Erdgeschoss. Die besonders sensiblen Bereiche sind so geplant, dass diese so weit wie möglich von störenden Einflüssen wie Verkehrslärm und direkte Sonneneinstrahlung geschützt sind. Eine Tiefgarage mit Fahrradständern, Ladesäulen für E-Autos, verschiedenste Sozialräume, Umkleiden mit Duschen sowie mehrere Räume für Schulungen, Besprechungen und Videokonferenzen schaffen beste Arbeitsbedingungen für das ganze Team. Auch an neue Mitarbeitende und Azubis wurde geIntegrierte Leitstelle Ein Neubau für den Notfall dacht: Für diese stehen 3 2-Zimmerwohnungen bereit, wenn sie in der Nähe selbst noch keine Unterkunft haben. Sicherheit durch Technik und Planung Eine Leitstelle muss funktionieren, immer. Deshalb steckt im Neubau viel durchdachte Technik: Abgesicherte Serverräume, eine große Photovoltaikanlage auf dem Dach, Notstromversorgung und vieles mehr sorgen dafür, dass selbst bei Stromausfall oder technischen Störungen keine Notrufe verloren gehen. Ein Gewinn für alle Rund 47 Mio. € kostet der Neubau. Der Freistaat fördert die IT-Ausstattung mit ca. 3 Mio. €. Die restlichen Baukosten tragen die 4 Träger-Landkreise über Umlagen. Der jährliche Beitrag des Landkreises Dachau für den ZRF erhöhte sich auch wegen des Neubaus zuletzt auf über 1,5 Mio. €. Das ist viel Geld, aber gut angelegt. Denn die ILS ist ein zentraler Baustein für die Sicherheit in der Region. Ohne sie würde im Notfall nichts funktionieren. Mit dem Neubau wird die Leitstelle fit für die kommenden Jahrzehnte gemacht. Mehr Technik, mehr Platz und bessere Arbeitsbedingungen sorgen dafür, dass Hilfe auch künftig schnell dort ankommt, wo sie gebraucht wird. Landrat Stefan Löwl bringt es auf den Punkt: „Wer die 112 wählt, kann sich darauf verlassen, dass im Hintergrund die notwendige Hilfe professionell organisiert wird. Und genau das macht diesen Neubau so wichtig, für jeden Einzelnen von uns.“ Zahlen – Daten – Fakten Neubau Leitstelle zBauzeit: 2023 – 2026 zKosten: ca. 47 Mio. € zGrundstück: ca. 4.600 m² zGeschosse: 4 (inkl. Untergeschoss) z12 Einsatzleitplätze (erweiterbar auf 14) z8 Ausnahme-Abfrageplätze (erweiterbar auf 10) Versorgungsgebiet z4 Landkreise (Dachau, Fürstenfeldbruck, Landsberg am Lech, Starnberg) z84 Städte und Gemeinden zÜber 640.000 Einwohner Einsätze in 2025 zÜber 110.000 Notfälle im Rettungsdienst zÜber 6.600 Einsätze von Feuerwehren und Technischem Hilfswerk (THW) Partner im Einsatz (Auszug) z234 Orts- und Gemeindefeuerwehren z4 Ortsverbände des THW z15 Rettungswachen z8 Rettungswagen-Stellplätze z32 Rettungswagen (RTW) z15 Krankentransportwagen (KTW) z10 Notarztstandorte/ Notarzt-Einsatz-Fahrzeuge (NEF) z1 Außenarztstandort zZahlreiche ehrenamtliche Einsatzkräfte, z.B. Wasserrettung, Psychosoziale Notfallversorgung Großzügig, modern, ausfallsicher – das ist die neue Integrierte Leitstelle in Gernlinden. Für die 80 Mitarbeitenden und damit für unser aller Sicherheit wurden mit dem Neubau beste Rahmenbedingungen geschaffen. Wer die 112 wählt, landet ab Sommer an einem der 12 Einsatzleitplätze. Dort sorgen die Disponenten dafür, dass wir schnell Hilfe im Notfall bekommen. Egal ob bei einem Herzinfarkt am See, bei Verbrennungen beim Grillen oder einem Unfall auf der Radltour. 19 18 Kreis.BLICK! — Juni 2026 Blaulicht

RkJQdWJsaXNoZXIy NjQwNDE4