Eine möglichst schnelle Verbindung
36 37 DER BAHNHOF IN RÖHRMOOS von Helmuth Rumrich/ Franz Thaler Der Ort „Röhrmoos Dorf“ wird in einer Schenkungsur- kunde im Jahr 774 erstmals urkundlich als „roraga mus- sea“ erwähnt. Der Ortsteil „Röhrmoos Station“ entstand aber erst mit dem Bau der Eisenbahnstrecke München- Ingolstadt. Das Gelände, auf dem sich heute „Röhrmoos Station“ befindet, war vor Beginn des Eisenbahnbaues (1864-1867) unbewohntes bewaldetes Gebiet. Der Wald erstreckte sich vom heutigen Sportheim süd- lich vorbei an Kleininzemoos bis nach Röhrmoos-Dorf. Zunächst erwarb die Eisenbahn Gelände und schlug zur Errichtung der geplanten Bahnlinie in den Wald eine Schneise in Nord-Süd Richtung. Bei diesen Arbeiten ent- deckte man zufällig den Backenzahn eines Europäi- schen Waldelefanten (126. 000 bis 115. 000 v. Chr.). Der Aushub dieser Schneise zwischen Walpertshofen und Schillhofen war für damalige Verhältnisse eine großartige technische Leistung, da man keine modernen Maschi- nen wie heute hatte. Die meiste Arbeit musste man mit Schaufel und Schubkarren vollbringen. Der Erdaushub aus dieser Schneise wurde zum Bahndammbau bei Schillhofen und Riedenzhofen verwendet. Der Bahn- damm musste aufgrund der moorigen und sumpfigen Böden des Schillhofener und Riedenzhofener Moores relativ hoch aufgeschüttet werden. Der erste Siedler in Röhrmoos war Josef Palmberger, der um 1867 vom „Zinsmeisterbauer“ Märkl bewaldetes Gebiet kaufte, das er rodete und darauf nach und nach eine Landwirtschaft, ein Gasthaus mit Metzgerei und ein Fuhrunternehmen aufbaute, mit dem er Kurgäste zur „Doktorbäuerin“ Amalie Hohenester nach Mariabrunn und auch zurück zur neuen Bahnstation Röhrmoos brachte. Die nächsten Anwesen entstanden ab 1868 auf einem Areal, das die Händler-, Krämer- und Maurerehe- leute Bücherl aus Eichhofen in der Nähe der neuen Bahnlinie ab 1868 kauften und an auswärtige Siedler verkauften. Diese kamen in der Hoffnung, Arbeit bei der Bahn zu finden, was allerdings nicht allen gelang. Viele verschuldeten sich und lebten in bitterer Armut. Die fi- nanziell etwas besser gestellte Bevölkerung von „Röhr- moos-Dorf“ nannte die Neue Siedlung deshalb „Elend“. „Elend“ bedeutete so viel wie die „Neuen“, aber auch die „Armen“. Diese Bezeichnung war auch um 1950 noch im regen Gebrauch. Georg Bücherl hingegen konnte sein Unternehmen ausbauen, war zudem in der Landwirt- schaft tätig und besaß des weiteren ein Gasthaus, eine Metzgerei, eine Zieglelei und ein Sägewerk. Bis etwa 1901 verlief die Kreisstraße unmittelbar vor dem Gasthaus Palmberger/Weinsteiger höhengleich über das Bahngleis, dann wurde die Unterführung ge- baut, welche 1984 durch einen Neubau ersetzt wurde. Um 1973 wurde das Wirtshaus Weinsteiger geschlossen und abgerissen. Der Bahnhof Röhrmoos wurde etwa 1884 erbaut. Für die Schrankenwärter gab es im Gemeindebereich Röhr- moos vier Bahnwärterhäuschen: „Heckenhofer“ ca. 1 km südlich von Schillhofen, Dillitz bei Schillhofen, eines un- mittelbar beim Palmberger/Weinsteiger und in Riedenz- hofen. Das letzte Bahnwärterhäuschen, das sogenannte „Dillitzhaus“, wurde ca. 1965 abgebrochen. Röhrmoos war eine Ausweichstelle für Züge. Langsam fahrende Züge mussten auf ein Ausweichgleis, wenn sich ein Schnellzug näherte. Auch bei Gegenverkehr wurde ein Zug auf das Ausweichgleis geleitet. Am 7. Juli 1889 kam es auf diesemAusweichgleis zu einem furchtba- ren Unglück. (s. dazu S. 42). Insgesamt sind in Röhrmoos noch zwei weitere Zugunglücke bekannt, bei denen glück- licherweise niemand ums Leben kam. 1959 wurde die Bahnstrecke elektrifiziert und 1972 wur- de Röhrmoos zur S-Bahn-Station. Schon nach dem ersten Weltkrieg, vor allem aber nach dem 2. Weltkrieg und nach der Währungsreform 1948 entstanden in Röhrmoos-Station viele Neubauten. Durch die Bebauung des „Stögenfeldes“ sind die „Röhrmoos Station“ und das „Röhrmoos Dorf“ ab etwa 1985 mehr und mehr zusammengewachsen. Im Jahr 2005 wurde das Bahnhofsgebäude in Röhrmoos wegen schlechter Fundamente abgerissen. Es bestand durch den nahen Gleisverlauf nach dem Ausbau der Bahnstrecke zum ICE-Betrieb Einsturzgefahr. Weitere Informationen zur Geschichte der Gemeinde Röhrmoos bieten die Röhr- mooser Heimatblätter, die seit 1996 jährlich erscheinen. Herausgeber ist der För- derverein Röhrmooser Heimatblätter e.V. Die Bahnstation um 1900
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